Widmung
Für Erva Gülay und Elif …
Damit ihr euch, wenn ihr eines Tages glaubt, euren Weg verloren zu haben, daran erinnert, zuerst zu euch selbst und dann zur Wahrheit zurückzukehren.
Das Leben kann sich verändern. Die Umstände können sich verändern. Menschen können sich verändern.
Doch ein Mensch kann seine Richtung wiederfinden.
Euer Vater liebt euch sehr.
— Veli Türkmen
Vorwort
Diese Arbeit ist nicht aus den Ratschlägen eines vermeintlich vollendeten Menschen an andere entstanden. Sie ist aus dem Weg eines Menschen hervorgegangen, der sich selbst verstehen, sich seinen Fehlern stellen und die erkannte Wahrheit in sein Leben tragen möchte.
Mit dieser Arbeit möchte ich weder einen Titel erwerben noch Anerkennung sammeln oder in den Augen anderer weise erscheinen. Zuerst möchte ich mich selbst verstehen; ich möchte das Gelernte nicht nur wissen, sondern in meinem Leben erproben. Deshalb richtet sich jede Frage auf diesen Seiten zunächst an mich selbst.
Die Stimme im Garten nimmt die Frage „Wo bist du?“ aus Kapitel 3 der Genesis, dem ersten Buch der Tora beziehungsweise des Tanach, zum Ausgangspunkt. Es ist ausdrücklich festzuhalten, dass diese Szene nicht im Koran steht. Es geht hier nicht darum, die Erzählungen der beiden heiligen Schriften miteinander zu vermischen. Im Gegenteil: Die Eigenständigkeit jeder Quelle soll gewahrt bleiben, während wir darüber nachdenken, wie ein Mensch reagiert, wenn er mit seinem Fehler konfrontiert wird.
Die Adam-Erzählung des Korans setzt andere Schwerpunkte: die Täuschung durch den Satan, die Annäherung an das Verbotene, das Bedecken der Blöße, das Eingeständnis, sich selbst Unrecht getan zu haben, die Hinwendung zu Gott und die Annahme der Umkehr.
Während ich die Recherche, Zusammenstellung und redaktionelle Arbeit durchführte, war ich zugleich der erste Leser, der erste Lernende und ein Weggefährte dieser Arbeit, der weiterlernt. Wenn meine Töchter diese Zeilen eines Tages lesen, sollen sie darin keinen Vater sehen, der behauptet, fehlerlos zu sein, sondern einen Menschen, der nach Wahrheit gesucht und versucht hat, das Gelernte zu leben.
Diese kurze Arbeit ist kein abschließendes Wort.
Manche Fragen gewinnen ihre Größe nicht durch ihre Antworten, sondern durch die Tür, die sie einem Menschen öffnen.
„Wo bist du?“
1. Die Stimme im Garten
Eine der eindringlichsten alten Fragen der Genesis erklingt in einem Garten:
„Wo bist du?“
Im Text verstecken sich der Mensch und seine Frau zwischen den Bäumen des Gartens, nachdem sie vom verbotenen Baum gegessen haben; darauf folgt diese Frage. In dieser Arbeit wird sie nicht nur als Frage nach einem Aufenthaltsort gelesen, sondern als literarische und ethische Aufforderung zur Selbstprüfung.
Das Folgende ist keine ausdrückliche Aussage der heiligen Schrift, sondern eine daran anknüpfende Deutung von MİZAN:
Wo hast du dich selbst verloren?
Auf welchem Weg hast du dich von dir selbst entfernt?
Wo hast du dich versteckt, als du der Wahrheit begegnet bist?
Ein Mensch kann sich von sich selbst entfernen, ohne Vermögen, Stellung oder Macht zu verlieren. Von außen scheint sein Leben in Ordnung; innerlich aber kann er nicht mehr erkennen, wofür er eintritt, weshalb er zornig wird oder welcher Angst er folgt.
Manchmal ist ein Mensch zu Hause und doch weit von sich selbst entfernt.
Manchmal ist er unter vielen Menschen, doch innerlich fühlt er sich in der Fremde.
Manchmal blickt er in den Spiegel, ohne sich selbst ehrlich ansehen zu können.
Hier wird die Frage aus dem Garten erneut hörbar:
„Wo bist du?“
Die Quellenebene — die Erzählung der Genesis
Genesis 3,1–13 erzählt von den Einflüsterungen der Schlange, dem Essen der verbotenen Frucht, dem Erkennen der Nacktheit, dem Bedecken der Blöße, dem Verstecken im Garten und der Frage „Wo bist du?“. Darauf folgen die Erklärung des Menschen mit Bezug auf die Frau und die Erklärung der Frau mit Bezug auf die Schlange.
Hier ist eine Grenze zu ziehen:
Was der Text sagt und welche Bedeutung wir ihm entnehmen, ist nicht dasselbe.
Die Genesis sagt, dass der Mensch seine Nacktheit erkannte und sich fürchtete. Der Satz „Der Mensch wurde mit seiner eigenen Verletzlichkeit konfrontiert“ ist hingegen eine literarische beziehungsweise psychologische Deutung.
Die Genesis berichtet, dass der Mensch sagte, die Frau habe ihm die Frucht gegeben. Von einer „Verlagerung der Verantwortung nach außen“ zu sprechen, ist dagegen eine psychologische und ethische Lesart dieser Erzählung.
MİZAN sieht seine Aufgabe darin, diese beiden Ebenen nicht miteinander zu vermischen.
2. Erst der Gedanke, dann die Begründung
Nach einer Handlung möchte ein Mensch sich häufig nicht als durch und durch schlecht ansehen. Um die Spannung zwischen dem eigenen Verhalten und dem Selbstbild zu verringern, kann das Denken beginnen, Erklärungen hervorzubringen.
Manchmal helfen diese Erklärungen, die Wirklichkeit zu verstehen.
Manchmal heben wir jedoch bestimmte Informationen hervor und drängen andere in den Hintergrund, um zu dem gewünschten Ergebnis zu gelangen.
Psychologische Studien zum motivierten Schlussfolgern (motivated reasoning) zeigen, dass der Zugriff auf Informationen, ihre Bewertung und das Entwickeln von Begründungen verzerrt sein können, wenn Menschen zu einem erwünschten Ergebnis gelangen möchten. Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch sich in jeder Situation selbst täuscht. Es macht jedoch deutlich, dass wir auch unsere eigenen Begründungen prüfen sollten.
Deshalb stellt MİZAN diese Frage:
Erkläre ich die Wirklichkeit – oder wähle ich aus ihr nur das aus, was mich zu meinem gewünschten Ergebnis führt?
Ein Verhalten erklären zu können, ist wichtig.
Doch erklären und rechtfertigen ist nicht dasselbe.
3. Die Grenze zwischen Erklärung und Ausrede
In der Genesis sagt der Mensch, die Frau habe ihm die Frucht gegeben; die Frau erklärt, die Schlange habe sie getäuscht.
In beiden Aussagen wird ein tatsächlich vorhandener äußerer Einfluss benannt.
Ein Mensch kann beeinflusst werden.
Er kann getäuscht werden.
Er kann eingeschüchtert werden.
Er kann verletzt werden.
Sein Umfeld, seine Kindheit, seine Beziehungen, seine wirtschaftliche Lage oder frühere Erfahrungen können sein heutiges Verhalten beeinflussen.
Auch die moderne Psychologie zeigt, dass frühe Erfahrungen mit der Emotionsregulation, zwischenmenschlichen Mustern und bestimmten kognitiven Schemata zusammenhängen können. Doch ein Zusammenhang ist kein Schicksal. Von einer Kindheitserfahrung unmittelbar und mit Gewissheit auf die Ursache eines einzelnen Verhaltens im Erwachsenenalter zu schließen, ist wissenschaftlich nicht begründet.
Die Schemaforschung hat Zusammenhänge zwischen frühen belastenden Erfahrungen und frühen maladaptiven Schemata festgestellt. Zugleich wird betont, dass die Belege dafür, dass solche Schemata zwischenmenschliche Probleme unmittelbar verursachen, begrenzt sind.
Deshalb ist dieser Gedanke sorgfältig zu formulieren:
Die Vergangenheit kann die Gegenwart beeinflussen; sie erklärt die Gegenwart aber nicht zwangsläufig allein.
Und noch einen Schritt weiter:
Zu verstehen, wie ein Verhalten entstanden ist, hebt nicht automatisch jede Verantwortung für dieses Verhalten auf.
Einordnung von MİZAN
Ein Mensch hat sich seine Verletzung möglicherweise nicht selbst ausgesucht.
Doch von der Verletzung zum Verhalten führt nicht nur ein einziger, unausweichlicher Weg.
Verantwortung bedeutet deshalb nicht: „An allem, was dir widerfahren ist, bist du selbst schuld.“
Verantwortung heißt, den Anteil anderer nicht zu leugnen und zugleich dem eigenen Anteil nicht auszuweichen.
Zwei Sätze können zugleich wahr sein:
„Was mir angetan wurde, war falsch.“
und
„Auch das, was ich getan habe, kann falsch sein.“
Diese beiden Sätze heben einander nicht auf.
Der erste nimmt die Verletzung eines Menschen ernst.
Der zweite wahrt seine Handlungsfähigkeit und seine ethische Verantwortung.
4. Psychologie: Spiegel oder Zuflucht?
Die Psychologie bietet wertvolle Werkzeuge, um sich selbst zu verstehen.
Sie untersucht Zusammenhänge zwischen Kindheitserfahrungen und heutigen emotionalen Mustern.
Sie erforscht Schemata.
Sie erklärt Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation.
Sie zeigt, dass bestimmte Erinnerungsreize, die mit einem Trauma verbunden sind, erneut intensive emotionale oder körperliche Reaktionen auslösen können – insbesondere bei Menschen mit posttraumatischen Stresssymptomen.
All dies kann Menschen helfen, ihre Erfahrungen einzuordnen.
Wenn psychologische Begriffe jedoch zu festen Etiketten der eigenen Identität werden, entsteht ein anderes Problem:
„Ich bin so, weil …“
Dieser Satz ist manchmal der erste Schritt zur Heilung.
Ein Mensch beginnt zum ersten Mal, sich selbst zu verstehen.
Wird derselbe Satz jedoch zum abschließenden Argument dafür, sich nicht zu verändern, ist Wissen kein Spiegel mehr, sondern wird zur Zuflucht.
Ein Schema kann eine Erklärung bieten; es ist keine Identität.
Ein Bindungsmuster kann eine Tendenz beschreiben; es ist kein Schicksal.
Eine Traumageschichte hilft, die Schwere des Erlebten zu verstehen; sie bestimmt nicht allein die gesamte Zukunft eines Menschen.
Psychologisches Wissen sollte deshalb weder dazu dienen, einem Menschen die Schuld zuzuschieben, noch dazu, ihn pauschal von jeder Verantwortung freizusprechen.
5. Verantwortung verteilen
Das Konzept der moralischen Distanzierung (moral disengagement) des Sozialpsychologen Albert Bandura beschreibt verschiedene kognitive Wege, über die Menschen in bestimmten Situationen ihre moralische Selbstkontrolle außer Kraft setzen können.
Dazu gehören etwa die moralische Umdeutung und Rechtfertigung des eigenen Verhaltens, das Verharmlosen von Schäden, das Verteilen oder Abschieben von Verantwortung und die Zuschreibung von Schuld an andere.
Dieses Konzept sollte nicht für eine „psychologische Exegese“ der Genesis verwendet werden.
Es eröffnet jedoch eine wichtige Frage, wenn wir über heutiges menschliches Verhalten nachdenken:
Wie klar erkenne ich die Verantwortung für eine Handlung – und wie viel davon verteile ich auf andere Menschen, die Umstände oder das System?
Ein Mensch kann eine Handlung eingestehen und zugleich die Verantwortung für seine Entscheidung verteilen:
„Ich habe es getan, aber sie haben mich so weit gebracht.“
„Ich wurde wütend, aber die andere Person hat mich wütend gemacht.“
„Ich habe falsch gehandelt, aber ich konnte nicht anders.“
In manchen dieser Sätze kann ein wahrer Kern stecken.
MİZAN fragt nicht:
„Haben andere daran überhaupt keinen Anteil?“
Die eigentliche Frage lautet:
„Auch wenn andere tatsächlich ihren Anteil haben: Wo beginnt meiner?“
6. Zwischen zwei Extremen
Wird der Begriff Verantwortung falsch verwendet, kann ein Mensch in eines von zwei Extremen geraten.
Das erste Extrem:
Sich selbst alles aufladen.
„Ich bin der Grund für alles, was geschehen ist.“
Das entspricht nicht der Wirklichkeit, sondern kann Ausdruck übermäßiger Schuldgefühle und Scham sein.
Das zweite Extrem:
Alles nach außen verlagern.
„Ich habe damit überhaupt nichts zu tun.“
Auch das kann den Bereich unsichtbar machen, in dem ein Mensch etwas verändern kann.
Zwischen diesen beiden Extremen schlägt MİZAN eine andere Frage vor:
„Was ist hier tatsächlich mein Anteil?“
Diese Frage wertet einen Menschen nicht ab.
Im Gegenteil: Sie macht wieder sichtbar, wo er etwas verändern kann.
Wer seine ganze Kraft darauf verwendet, das Fehlverhalten anderer nachzuweisen, kann den eigenen Einfluss auf sein Leben aus dem Blick verlieren.
Die Vergangenheit zu verstehen, ist wichtig.
Doch wir müssen ihr nicht das Steuer über die Gegenwart vollständig überlassen.
7. Eine andere Richtung, die der Koran eröffnet
Hier ist der Unterschied zwischen den beiden Erzählungen besonders wichtig.
Der Koran erzählt nicht davon, dass Adam und seine Frau sich zwischen den Bäumen verstecken, dass ihnen „Wo bist du?“ zugerufen wird oder dass Adam seiner Frau die Schuld gibt.
Der Koran erzählt von der Täuschung durch den Satan, der Annäherung an den Baum, dem Sichtbarwerden der Blöße und dem Bedecken. Darauf folgt diese Hinwendung Adams und seiner Frau zu Gott:
„Unser Herr! Wir haben uns selbst Unrecht getan …“
(A‘râf 7:23)
Bakara 2:37 berichtet außerdem, dass Adam von seinem Herrn Worte empfing und seine Umkehr angenommen wurde.
Auch hier ist zwischen den ausdrücklichen Aussagen des Korans und der Deutung von MİZAN zu unterscheiden.
Die ausdrücklichen Aussagen des Korans
- Der Mensch kann fehlgehen.
- Der Satan kann täuschen.
- Der Mensch kann eingestehen, sich selbst Unrecht getan zu haben.
- Er kann sich mit der Bitte um Vergebung und Barmherzigkeit an Gott wenden.
- Die Umkehr kann angenommen werden.
Die Deutung von MİZAN in diesem Text
Umkehr sollte nicht auf ein bloßes Gefühl der Reue reduziert werden.
In dieser Arbeit wird Umkehr so verstanden: Ein Mensch hört auf, seinen Fehler zu leugnen, erkennt seinen eigenen Anteil und richtet sich erneut auf die Wahrheit aus.
Diese Deutung ist keine wortgetreue Begriffsbestimmung des Verses.
Sie ist eine Einordnung von MİZAN, die an die ethische Richtung anknüpft, welche die Verse eröffnen.
8. Eine Schwelle
Der Mensch ist nicht nur ein Wesen, das Fehler macht.
Er kann seinen Fehler erkennen,
ihn benennen,
um Hilfe bitten,
Reue empfinden,
lernen
und seine Richtung ändern.
Ein Mensch kann in seine Vergangenheit schauen, um sich selbst zu verstehen.
Doch er muss nicht für immer dort leben.
Statt sich zu verteidigen, kann er zu sich selbst zurückkehren.
Statt Ausflüchte zu suchen, kann er seinen Anteil erkennen.
Statt einen Fehler zu seiner Identität zu machen, kann er versuchen, sein Verhalten zu ändern.
Was einen Menschen formt, ist nicht seine Fehlerlosigkeit.
Es ist die Richtung, die er nach seinem Fehler einschlägt.
Die Stimme im Garten verstummt hier nicht.
Die Frage bleibt:
„Wo bist du?“
Vielleicht kommt die Antwort nicht sofort.
Doch manchmal ist die richtige Frage der erste Schritt, der einem Menschen eine neue Richtung gibt.
Was die Quellen aussagen
1. Religiöse und textliche Primärquellen
Koran: Bakara 2:35–39; A‘râf 7:19–25; Tâhâ 20:115–123.
Koranportal des türkischen Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet İşleri Başkanlığı): https://kuran.diyanet.gov.tr/Tora / Tanach — Genesis (1. Mose) 3:1–13.
Die Frage „Wo bist du?“, das Verstecken im Garten sowie der Verweis des Menschen auf die Frau und der Frau auf die Schlange gehören in dieser Arbeit zu dieser Textebene.
Zum Vergleich: https://www.biblegateway.com/passage/?search=Genesis%203%3A1-13
2. Klassisches Werk
- Ebû Hâmid el-Gazzâlî, Eyyühe’l-Veled.
Der im Text herangezogene Grundsatz: „Wissen ohne Handeln ist Torheit; Handeln ohne Wissen ist nicht möglich.“
Arabischer Wortlaut: العلم بلا عمل جنون، والعمل بغير علم لا يكون
3. Moderne Psychologie — wissenschaftliche Quellen
Kunda, Z. (1990). The case for motivated reasoning. Psychological Bulletin, 108(3), 480–498.
DOI: https://doi.org/10.1037/0033-2909.108.3.480
Grenzen der Verwendung: Herangezogen, um zu erklären, dass Begründungsprozesse auf dem Weg zu einem erwünschten Ergebnis verzerrt sein können; nicht dazu geeignet, die Absichten einzelner Personen zu diagnostizieren.Bandura, A. (1999). Moral disengagement in the perpetration of inhumanities. Personality and Social Psychology Review, 3(3), 193–209.
DOI: https://doi.org/10.1207/S15327957PSPR0303_3
Grenzen der Verwendung: Herangezogen, um Mechanismen wie das Verteilen oder Abschieben von Verantwortung, das Verharmlosen von Schäden und Schuldzuweisungen an andere begrifflich zu erfassen.Miu, A. C., Szentágotai-Tătar, A., Balázsi, R., Nechita, D., Bunea, I., & Pollak, S. D. (2022). Emotion regulation as mediator between childhood adversity and psychopathology: A meta-analysis. Clinical Psychology Review, 93, 102141.
DOI: https://doi.org/10.1016/j.cpr.2022.102141
Grenzen der Verwendung: Stützt statistische Zusammenhänge zwischen Kindheitsbelastungen, Emotionsregulation und Psychopathologie; erlaubt keine eindeutige Ursachenzuschreibung für das Verhalten einer einzelnen Person.Pilkington, P. D., Bishop, A., & Younan, R. (2021). Adverse childhood experiences and early maladaptive schemas in adulthood: A systematic review and meta-analysis. Clinical Psychology & Psychotherapy, 28(3), 569–584.
DOI: https://doi.org/10.1002/cpp.2533
Grenzen der Verwendung: Untersucht Zusammenhänge zwischen frühen belastenden Erfahrungen und frühen maladaptiven Schemata; wird nicht für schicksalhafte oder eindeutig kausale Deutungen verwendet.Janovsky, T., Rock, A. J., Thorsteinsson, E. B., Clark, G. I., & Murray, C. V. (2020). The relationship between early maladaptive schemas and interpersonal problems: A meta-analytic review. Clinical Psychology & Psychotherapy, 27(3), 408–447.
DOI: https://doi.org/10.1002/cpp.2439
Grenzen der Verwendung: Betont den Zusammenhang zwischen Schemata und zwischenmenschlichen Problemen, weist aber zugleich auf die begrenzte Evidenz für Kausalität hin.U.S. Department of Veterans Affairs — National Center for PTSD. Trauma Reminders: Triggers.
Quelle: https://www.ptsd.va.gov/understand/what/trauma_triggers.asp
Grenzen der Verwendung: Herangezogen als klinische Information einer Fachinstitution dazu, dass traumabezogene Erinnerungsreize bei manchen Menschen, insbesondere bei Personen mit PTBS-Symptomen, erneut intensive emotionale oder körperliche Reaktionen auslösen können; daraus folgt nicht, dass ein früheres Trauma jede heutige Reaktion erklärt.
Was die Quellen nicht aussagen
Diese Quellen:
- Besagen nicht, dass aus einem einzelnen Verhalten auf ein Trauma, einen Bindungsstil oder eine psychiatrische Diagnose geschlossen werden kann.
- Erlauben keinen deterministischen Schluss wie: „In deiner Kindheit ist dies geschehen, deshalb verhältst du dich heute zwangsläufig so.“
- Zeigen nicht, dass eine psychologische Erklärung ethische oder rechtliche Verantwortung automatisch aufhebt.
- Besagen nicht, dass alle Einzelheiten der Genesis-Erzählung im Koran stehen.
- Belegen nicht, dass sämtliche Bedeutungen, die MİZAN der Frage „Wo bist du?“ beimisst, unmittelbare Aussagen der heiligen Schrift sind.
Einordnung von MİZAN
Der zentrale Maßstab, der sich aus dieser Arbeit ergibt, lautet:
Verwechsle nicht Erklärung mit Ausrede, Verletzung mit Verantwortung oder Reue mit einem Richtungswechsel.
Ein Mensch kann seinen eigenen Anteil erkennen, ohne den Einfluss seiner Vergangenheit zu leugnen.
Er kann das Unrecht anderer anerkennen und zugleich sein eigenes erkennen.
Er kann die Psychologie nutzen, um sich selbst zu verstehen – nicht, um sich in einem unveränderlichen Etikett einzuschließen.
Und wenn er mit seinem Fehler konfrontiert wird, kann er neben „Wer hat es getan?“ auch diese Frage stellen:
Eine Frage für das eigene Leben
„In welche Richtung wende ich mich jetzt?“
Auch diese Frage kann er sich stellen.
Redaktioneller Hinweis
Hinweis zur deutschen Fassung: Die deutschen Vers- und Zitatfassungen wurden aus dem türkischen Ausgangstext redaktionell übertragen. Sie werden nicht als Wortlaut einer bestimmten deutschen Ausgabe zitiert. Die Quellennachweise beziehen sich auf die jeweils angegebenen Originalquellen.
Die Quellen dieses Textes wurden unter Berücksichtigung der MİZAN-Grundsätze Wahrheit → Kontext → Methode → Ergebnis geprüft.
- Die ausdrücklichen Aussagen des Korans wurden als eigene Ebene behandelt.
- Die Erzählung der Genesis wurde als eigene Ebene behandelt.
- Psychologische Befunde wurden auf ihren wissenschaftlich belegten Aussagebereich begrenzt.
- Literarische und ethische Schlussfolgerungen wurden als Einordnung von MİZAN gekennzeichnet.
- Diese Arbeit ersetzt weder Psychotherapie noch klinische Beurteilung oder religiöse Fatwa.
- Eine PDF-Fassung zum Herunterladen ist nicht veröffentlicht.
Recherche, Zusammenstellung und redaktionelle Arbeit — Veli Türkmen